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UNTERSCHÄTZT, ABER UNSCHÄTZBAR: GESUNDE SCHLEIMHÄUTE

Gesunde Schleimhautzellen teilen sich sehr schnell. Auch Tumorzellen haben diese Eigenschaft. Die Chemotherapie wirkt auf Zellen, die sich schnell teilen. Deshalb greift eine Chemotherapie leider nicht nur Tumorzellen, sondern auch Schleimhautzellen an und kann eine Entzündung (Mukositis) verursachen. Und weil Schleimhäute in vielen Sinnesorganen vorkommen, schränken Schleimhautentzündungen oft wichtige Bereiche unseres Lebens ein.
Unterstützen Sie die Funktion Ihrer Schleimhäute, damit Sie unbeschwert riechen, schmecken, verdauen und sich bewegen können – für spürbar mehr Lebensqualität.

Schleimhaut: Unser Partner des Immunsystems und Schutzschild

Einige unserer Organe haben an ihrer Oberfläche eine Art „Schutzschild“ errichtet: Sie sind mit Schleimhäuten ausgekleidet.

Schleimhäute produzieren Sekrete zur Befeuchtung des Gewebes und schützen die Organe vor schädlichen äußeren Einflüssen. Dieser Abwehrmechanismus kann durch eine regelmäßige Zufuhr von Enzymen und Mikronährstoffen über die Nahrung aufrechterhalten werden.

Die Darmschleimhaut versorgt den Körper mit lebensnotwendigen Substanzen und dient als Schutzschild gegen Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten oder Allergene. Gesunde Schleimhäute spielen deshalb eine wichtige Rolle für ein funktionierendes Immunsystem.

Übrigens, unsere Schleimhäute „kommunizieren“ miteinander: Eine gesunde Magen- und Darmschleimhaut führt auch zu einer besseren Schleimhautfunktion der anderen Organe.

Wussten Sie schon?

Alle Schleimhäute des Körpers zusammengenommen umfassen über 30 Quadratmeter1, den Großteil davon nimmt die Darmschleimhaut ein – und dort sitzen Abwehrzellen, die für 80 Prozent unseres Immunsystems verantwortlich sind2.

Symptome einer gestörten Schleimhautfunktion

Verschiedene Einflüsse machen Schleimhäute trockener, dünner und empfindlicher (Atrophie), wodurch sie ihre Abwehrfunktion nicht mehr erfüllen können. Zu diesen beeinflussenden Faktoren gehören:

    • Medikamente (vor allem Krebstherapie)
    • UV- und radioaktive Strahlung (Röntgen, Strahlentherapie)
    • hormonelle Einflüsse (Wechseljahre, Antihormontherapie, Stress)
    • mechanische Verletzungen und Umweltbelastungen
    • mangelnde (Mund-)Hygiene

Es gibt auch folgende Begrifflichkeiten für eine entzündete Schleimhaut:

    • Mukositis: Entzündung der Schleimhaut (allgemein)
    • Stomatitis: Entzündung der Mundschleimhaut (auch als orale Mukositis bekannt)

Bei einem gestörten „Schleimhaut-Schutzschild“ können sich Allergien (Heuschnupfen, Asthma und weitere) sowie bakterielle Magenschleimhaut- oder Blasenentzündungen verstärken.

Chronische Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie der Darmschleimhaut gehen mit Schmerzen und Brennen, einer verminderten Speichelproduktion, Geschmacks- und Schluckstörungen sowie den damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme einher, was die Freude am Essen und die Lebensqualität der Betroffenen entsprechend stark beeinträchtigt.

Eine trockene Vaginalschleimhaut und wiederkehrende Infektionen von Blase und Genitalien schränken den Alltag und das Intimleben oft stark ein.

Unsere Gelenke sind jeweils von einer Kapsel umgeben. An der Innenseite liegt die Gelenkschleimhaut (Synovialis). Sie regelt die Produktion und den Abtransport von Gelenkflüssigkeit. Ist dieser Mechanismus gestört, spüren wir eine oft schmerzhafte Einschränkung der Bewegungsfähigkeit (Steifigkeit).

Welche Therapie bei Krebs schadet den Schleimhäuten?

Weil Krebszellen die Eigenschaft haben, sich schnell zu teilen, greift vor allem die Chemotherapie alle sich schnell teilenden Zellen an. Das trifft dann leider auch gesunde Körperzellen, die sich von Natur aus schnell erneuern. Dazu gehören Zellen der Schleimhäute und des Immunsystems (zum Beispiel Leukozyten im Blut). Auch eine Antihormontherapie kann die Schleimhautfunktion negativ beeinflussen. Die Folge sind Nebenwirkungen wie:

    • Schleimhautentzündungen
    • Durchfall
    • anhaltende Erschöpfung (Fatigue)
    • Haarausfall
    • Infektanfälligkeit
    • Gelenkschmerzen

Chemotherapie – schießt oft übers Ziel hinaus

Unter einer Chemotherapie entwickeln etwa 40 Prozent der Patient:innen eine Mukositis, bei Hochdosistherapie bis zu 75 Prozent3. Dabei sind unter Chemo- und Strahlentherapie fast immer die Mundschleimhäute entzündet. Je nach Krebstherapie können auch der gesamte Verdauungstrakt, die Blase und äußeren Genitalorgane betroffen sein.

 

Wie kann man die Schleimhaut unterstützen?

Schleimhautentzündungen, die als Nebenwirkungen der Chemotherapie auftreten, können zum Beispiel durch naturheilkundliche Maßnahmen und Therapien reduziert werden. Diese helfen dabei, gesunde Körperzellen und -funktionen zu schützen und zu stabilisieren. Auf diese Weise kann die Lebensqualität während und nach der Krebstherapie verbessert werden.

1. Ernährung und Alltagstipps

Besser meiden: Einseitige Ernährung, zu viel Zucker, Weißmehl, Nikotin, Alkohol, Medikamente und Stress schwächen unsere Schleimhäute.

Empfohlen: Rund 2 Liter Flüssigkeit täglich (Wasser, ungesüßter Tee), ausreichend Luftfeuchtigkeit in Innenräumen und Bewegung an der frischen Luft tun unseren Schleimhäuten gut. Pflanzliche Nahrung sollte den höchsten Anteil des täglichen Speiseplans ausmachen.
Linsen zum Beispiel enthalten natürlich vorkommendes Lektin und Selen. Selen hat in seiner organischen Form eine bessere Bioverfügbarkeit (4). eine Überschreitung der empfohlenen Tagesdosis (255 Mikrogramm) sollte vermieden werden (5).

Synbiotika – eine Kombination aus Pro- und Präbiotika – unterstützen den (Wieder-)Aufbau einer gesunden Magen-/Darmschleimhaut. Dazu zählen Flohsamen, Leinsamen, Milchprodukte in Bioqualität und fermentiertes Gemüse wie zum Beispiel Sauerkraut. Alternativ gibt es Synbiotika auch in Kapselform.

Mikronährstoffe und Pflanzenstoffe unterstützen und aktivieren viele Funktionen des Körpers, unter anderem die Entwicklung gesunder Zellen. Mikronährstoffe werden nicht vom Körper gebildet, sondern müssen über die Ernährung zugeführt werden. Sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Enzyme) sind in vielen Nahrungsmitteln enthalten, jedoch nur in relativ kleinen Mengen. Bei Krankheiten oder Therapien ist der Bedarf an diesen Nährstoffen oft erhöht. Eine Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel kann dann sinnvoll sein.

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (wie etwa Enzyme, Vitamine, Flavonoide, Mineral- und Spurenelemente) zeigt bei vielen Erkrankungen, darunter auch Krebs, eine positive Wirkung. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können gerade bei Krebsbetroffenen die oft gestörte Nährstoffbilanz des Körpers und die Lebensqualität verbessern. Biotin trägt zum Beispiel zur normalen Funktion aller Haut- und Schleimhautbereiche im Körper bei.

Generell ist eine orale Aufnahme zu empfehlen, weil auf diese Weise die Nährstoffe über den Blutkreislauf zu allen relevanten Schleimhäuten im Körper gelangen.

2. Schmerzmittel und andere Medikamente

Bei bestehenden Schleimhautläsionen (Verletzungen) steht die Schmerztherapie im Vordergrund, die immer in Absprache mit dem/der behandelnden Ärzt:in oder dem/der Zahnärzt:in erfolgen soll. Dasselbe gilt für Magen- und Darminfektionen, bei denen gegebenenfalls sogar eine Antibiotikatherapie angezeigt ist.

3. Lokale Anwendungen

Lokale Anwendungen gelangen unmittelbar nur zur Schleimhaut desjenigen Organs, wo der Wirkstoff aufgebracht wird:

  • orale Mukositis/Stomatitis: Spezielle Mundspüllösungen lindern die Symptome einer Mundschleimhautentzündung.
  • vaginale Trockenheit: Gele sorgen oft für eine schnelle Linderung.
  • gereizte Augen: Es gibt frei verkäufliche Augentropfen und Salben, doch ist eine Selbstmedikation am Auge grundsätzlich nicht zu empfehlen. Sprechen Sie mit Ihrem/Ihrer (Augen-)Ärzt:in.
  • Gelenkschmerzen: Diclofenac-Gele bewirken eine kurzfristige Schmerzlinderung, doch die Hauptursache der gestörten Schleimhautfunktion lässt sich damit nicht beheben.
  • Bronchitis: Bei einer Entzündung der Schleimhäute in den Atemwegen können Erkältungssalben, -bäder und Inhalate mit ätherischen Ölen eingesetzt werden.

 

QUELLEN:

  1. https://www.helixor.de/nebenwirkungen-krebs/mukositis/
  2. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.3109/00365521.2014.898326
  3. https://www.omni-biotic.com/de-de/darmgesundheit/einflussbereiche-des-darms/immunsystem/
  4. Elting LS et al. In: Supportive care in cancer : official journal of the Multinational Association of Supportive Care in Cancer. Band 21, Nummer 11, November 2013, S. 3243–3254
  5. Burk RF et al. 2006. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 15(4): 804-810
  6. EFSA Journal 2023. 21(1): 7704
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